Gesang

Wo alles stimmt und doch
und doch nichts richtig,
wo wir traumelnd und
im hohen Ton die Flügel
falterweise gleich als wärs
zum Frühstück.

Doch der Morgen,
der ist abgebrochen längst
vom Tag.

Erklommen von dem schwarzen Anzug,
dem, der mit dem Reißverschluss
vermählt und heiser sich
auf leeren Märkten schrie –

hebt ab den Tonarm,
dessen Zucken
arge Kapriolen –

während wir zu Mittag, schon,
das Haus, die Stadt, das Land
am Abend und zur Nacht,
nun gute,
seis gesungen.

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Der Baum und die Wörter

Wenn ein Baum wächst, wachsen mit ihm meinen künftigen Wörter.
Wird er gefällt, quellen meine Tränen aus dem Holz, das nach trügerischer
Frische duftet.
Meine Tränen versteinern zu Bernstein, der meine Gedanken in sich schließt.
Verbrennt ein Baum, züngelt in den Flammen meine Wut.
Mein Gewissen zerfällt zu Asche.
Mit dem Finger schreibe ich hinein:
Lebewohl.
Mir fehlt eine Rinde, in die ich einen Baum schnitzen könnte.

Traum #2

Der längst verlorne Traum
der noch mir sitzt
in schwacher Brust,
ich lauf am Rande
des Gedankens
und seh die Orte,
die ich einst verlor,
die Tür veschlossen,
der Zug längst abgefahrn
das Haus, in dem ich lebe,
ist nicht mein.
Ich schlafe, träume
kann nicht schlafen
kann nicht weinen
noch verschwinden,
da doch alle guten Wesen,
die mir helfen sollen,
den verschwundnen Pfad
entlangzulaufen,
das Flüstern
des Grases

Gefangen

Einen fremden und unversöhnlichen Wind zu spüren
fern von der Menschen weinender Nacht,
denn sie beten die schimmernden Strahlen an,
die eine goldene Sonne aus sich herausschleudert
und irgendwo in diesem zerknüllten Universum
muss es einen Ort geben, wo der Tod selbst
nur ein jüngerer Mann ist, der die süßen, roten Tropfen
des Lebens hinfortküsst
während zärtliche Celluloidstreifen kriechen,
sich um das Licht eines verblassenden Apparats windend
und wenn du denkst du würdest verschont,
ein einziges und alleiniges Geschenk des Schicksals,
spürst du einen fremden und unversöhnlichen Wind
und erfasst das Sein ohne Wörter.